Neuigkeiten vom Datenmeer #16

Winterthur, 18.06.2026

Guten Tag [Vorname] [Nachname]

«Ich missbillige, was Sie sagen, aber ich werde bis zum Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen.»

Dieses Zitat stammt von Evelyn Beatrice Hall und steht in ihrem 1906 erschienenen Buch «The Friends of Voltaire» und es ist aktueller denn je. Wer uns auf LinkedIn folgt, hat womöglich mitbekommen, dass wir nebst unseren eigentlichen Aufgaben aktuell viel Zeit mit Verfahren verbringen, die uns die Staatsanwaltschaften der Kantone Waadt und Wallis eingebrockt haben. Diese erdreisten sich nämlich, diversen Internet-Providern Verfügungen zu schicken, um missliebige Websites sperren zu lassen. Allzu viel technische Kompetenz scheint allerdings nicht vorhanden, denn man spricht mal von «séquestre» (Beschlagnahmung), dann wieder von «blocage» (Blockade); einmal wird eine Sperre auf Ebene DNS verlangt, dann wieder auf Ebene URL, was technisch gar nicht möglich ist. Man beruft sich dabei auf einen Artikel in der Strafprozessordnung, der es Untersuchungsbehörden erlaubt, Tatgegenstände zu beschlagnahmen. Allerdings ist die korrekte DNS-Funktion eines Providers gar kein Tatgegenstand. Wenn überhaupt, dann wäre die Website mit den illegalen Inhalten Tatgegenstand und der Webhoster müsste eine Lösch-Verfügung erhalten.

In einem Fall wurde verfügt, die Website der Gruppe «Grondesments des Terres» zu sperren. Man kann natürlich eine andere politische Ansicht haben als jene der linken Klima-Aktivisten, die sich gegen den CO2-Ausstoss des Beton-Herstellers Holcim wehren, aber politische Zensur ist einer Demokratie wie der Schweiz unwürdig. Trotzdem stehen wir alleine da, denn Init7 ist der einzige Provider, der sich gegen Website-Sperren juristisch wehrt. Die Marktführer Swisscom, Sunrise und Salt sperren unbesehen, obwohl dort ein viel grösseres Budget für juristische Verfahren zur Verfügung stünde. Doch die Bekämpfung von widerrechtlich angeordneten Netzsperren sind kein Mittel, um die Rendite zu erhöhen, und deshalb kuschen die drei mit «S» willfährig und machen den Bückling vor der Staatsgewalt.

Die meisten Verfahren sind bei unterschiedlichen Instanzen hängig. Im Fall «grondementsdesterres.org» konnten wir aber einen Erfolg verbuchen, denn das Waadtländer Kantonsgericht hat die Sperrverfügung aufgehoben. Die Staatsanwaltschaft hat etwa drei Wochen später die betroffenen Provider – etwa ein Dutzend – aufgefordert, die DNS-Sperre zu entfernen. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

Weil wir die aus unserer Sicht widerrechtlich angeordneten Sperrverfügung nicht umgesetzt haben, wurde mir persönlich eine Busse angehängt: Wegen «Missachtung einer behördlichen Anordnung» sollte ich CHF 6000 Franken zahlen. Dieses mutmassliche «Vergehen» ist an unserem Sitz in Winterthur erfolgt, und deshalb habe ich den Anspruch, dass sich die hiesigen Behörden mit dem Fall beschäftigen. Allerdings hat die Justiz des Kantons Zürich keine Lust darauf, und ich muss nach Bellinzona ans Bundesstrafgericht gelangen, damit ich an meinem Wohnort «verurteilt» werde, und nicht etwa im fernen Lausanne.

Falls Sie bis hierher gelesen haben und dabei «WTF?» denken, sind sie in bester Gesellschaft. Viel lieber würde ich Ihnen tolle Neuigkeiten von unserem Engineering-Team berichten – aber leider werde ich mit vielen Seiten juristischem Französisch gequält, mit dem sogar Muttersprachler überfordert sind. Aber da muss man durch, wenn man sich dafür wehrt, dass gesagt werden darf, was gesagt werden soll. In meinem Fall muss ich mich nicht grad bis zum Tod wehren, aber womöglich setzt es eine Busse über 6000 Franken und eine Vorstrafe ab. Und falls ich nicht zahlen sollte, müsste ich die Summe im Gefängnis absitzen, zu 100 Franken pro Nacht. Wie das etwa aussehen könnte, habe ich mit dem KI-Bildgenerator «Nano Banana» ausprobiert.

PS. Angesichts der sehr lesenswerten Geschichte eines Telekom-Engineers in Syrien, der unter dem autokratischen Assad-Regime gegen seine Überzeugungen arbeiten musste, ist meine 6000 Franken-Busse geradezu eine Quantité négligable. Den Link der bewegenden Story finden Sie weiter unten im Newsletter.

Fredy Künzler
Bürgerrechtler

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Zum Voting:

Nein zu Netzsperren!

Die Staatsanwaltschaft Lausanne hat den Providern verfügt, die Sperre gegen die Website der Aktivistengruppe Grondements des Terres per sofort aufzuheben, dies aufgrund des Urteils zu unseren Gunsten des Kantonsgerichts Waadt.

WYSIWYG.

Als Begriff mag WYSIWYG heute weitgehend verschwunden sein. Die dahinterstehende Frage ist jedoch aktueller denn je: Entspricht der Inhalt tatsächlich dem, was die Verpackung verspricht? Im Zeitalter von KI-generierten Bildern wird gelogen, dass sich die Balken biegen. «True and fair» hat heute eine ganz neue Bedeutung.

Gemeinsam wachsen wir weiter

Aktuell zählen wir bereits 423 PoPs und unser Netzwerk wächst stetig weiter! Vielen Dank für eure Unterstützung und euer Vertrauen! 💪🏼Wenn ihr mit unseren Dienstleistungen zufrieden seid, empfehlt uns gerne weiter. Jede Empfehlung hilft uns, noch mehr Menschen mit schnellem Internet zu versorgen.

Übrigens: Bis Ende August profitiert ihr noch von einer vergünstigten Aufschaltgebühr von nur CHF 18 bei Upgrades und Umzügen. 😉

Save the Date: NerdsUnited 2026

Die Tradition geht weiter: Das nächste NerdsUnited findet am 26. August 2026 statt. 🍻🍖
Reserviert euch den Termin bereits heute. Alle weiteren Informationen sowie Anmeldelink folgen auf Social Media.

Wir freuen uns auf euch!

5. ICTjournal Spring Party

Ein gelungener Abend an der 5. ICTjournal Spring Party. 🎉 Zahlreiche Gäste, spannende Gespräche, viel Betrieb am Glücksrad und angenehmes Frühlingswetter. Vielen Dank an alle Besucherinnen und Besucher, die den Abend mit ihrem Austausch und ihrer guten Stimmung bereichert haben. 🥰

Wenn die Nachbarn früher jubeln: Die Fussball-TV-Hölle

Alle zwei Jahre findet alternierend die Fussball-Welt oder - Europameisterschaft statt. In gleicher Regelmässigkeit stellen sich zahllose Fans die Frage, weshalb die Pushmeldung auf dem Handy ein Tor der Schweizer Nationalmannschaft piepst, obwohl man es im Fernsehen noch gar nicht gesehen hat. Noch schlimmer: Auch diesen Sommer nervt es, wenn die Nachbarn bei jeder brenzligen Szene 30 Sekunden früher jubeln oder stöhnen!
Was man dagegen machen kann, erklären wir im Blogbeitrag.

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Ein Syrien-Telekom-Ingenieur berichtete über seine Erfahrungen während des Krieges: Was steckte hinter den Internetausfällen? Und was ist während der Prüfungen der Schüler passiert?

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(Artikel auf Englisch)

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